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Dienstag, 27. September 2005

Neues Verhältnis zum Wert der Arbeit!

Ich fand sehr interessant, was ich gerade bei Jesus.de las:
»Wagt den Exodus aus der Arbeitsgesellschaft!« von Pascal Görtz

Ich glaube, wir brauchen ein neues Verhältnis zum Wert der Arbeit. Ehrenamtliche Arbeit ist nicht schlechter als hochtariflich bezahlte Arbeit, selbst wenn uns erstere mehr Freude macht. Und wir brauchen ein neues Verhältnis zur Zeit.

Der Philosoph André Gorz empfiehlt, „den Exodus aus der ‚Arbeitsgesellschaft’ zu wagen“. Die Arbeit habe ihre zentrale Rolle im Bewusstsein, im Denken und der Vorstellungskraft aller Menschen zu verlieren. „Wir müssen lernen, sie mit anderen Augen zu betrachten – nicht mehr als das, was man hat oder nicht hat, sondern als das, was wir tun. Wir müssen es wagen, uns die Arbeit wiederanzueignen.“ (Andre Gorz, Anders arbeiten)

Damit einher geht eine Neubewertung der Arbeit, die nicht von außen erfolgen kann und in Entlohnung aufgerechnet werden darf. Arbeit hat den Wert, den sie für mich und mein soziales Umfeld hat. Unter Christen gibt es daher den Begriff Berufung. Er beschreibt den Zustand, in dem finanzielle oder soziale Entlohnung in den Hintergrund rücken, weil man sich sicher ist, das Richtige zu tun.

Meine Würde verliere ich, wenn ich meine Identität, die ich in Gott –wenigstens aber in mir selbst erkannt habe, unter das Diktat dieser Arbeitsgesellschaft stelle, die mich mit unfairem Maß misst und mir als Arbeitslosem nur Demütigung entgegenbringt.

In mir zu ruhen, meinen Selbstwert zu kennen und meine Berufung zu finden, ist die Arbeitslosenversicherung der Zukunft, die mir die Würde erhält. Schreibt einer, der offensichtlich noch Arbeit hat.


Kommentare:

Side Runner heute, 19:18 Uhr

Zitat:
"...den Zustand, in dem finanzielle oder soziale Entlohnung in den Hintergrund rücken, weil man sich sicher ist, das Richtige zu tun."

Der Grund, warum auch Nicht-Arbeitslose umdenken sollten ist, dass Geld allein nicht glücklich macht!

Ich denke, wenn jemand die Wahl hat und das Gehalt sich nicht (auf hohem Niveau) stark unterscheidet, wird er lieber die Arbeit machen, die ihn auch interessiert - die er für das Richtige hält.

Das Problem ist also, dass es sinnvolle Arbeit gibt, von der man aber u.U. nicht leben kann!


Daniela Krämer heute, 19:08 Uhr

Es ist wunderbar, wenn Menschen Erfüllung im Ehrenamt finden und gerade Christen brauchen nicht zu Hause vor dem TV versauern, es gibt ja da genug Netzwerke, die sinnvolle Beschäftigung ermöglichen, ABER der Mensch braucht auch Brot und hat so einige kleine Bedürfnisse, deren menschenwürdige Erfüllung Hartz4 nicht abdeckt, dass fängt schon bei der Teilnahme am Nahverkehr und an kulturellen Möglichkeiten an. So bekommt man auch den Binnenmarkt nicht hoch, wenn die einen sparen aus Angst und die anderen, weil sie nichts mehr haben. So wird nichts besser.


Astrid Böhm heute, 18:38 Uhr

Diese Idee, hört sich gut an, aber wie soll das gehen, wenn nur die "Hartz"-Abhängigen umdenken? Welcher Unternehmer hätte auch nur einen Grund, dieser neuen "Idee" eine Chance zu geben?